Klammer auf Spurensuche

("Wochenende Schaufenster" vom 05.04.2014, von Frank Engel-Strebel)

  

Eine Geschichte, wie sie oft im Leben passiert. Man lernt jemanden kennen, verliert ihn aus den Augen. Irgendwann, vielleicht durch einen Zufall ausgelöst, sind die Gedanken wieder bei diesem Menschen. Der Roisdorfer Autor René Klammer schrieb ein Buch darüber. „Wir kannten uns" heißt sein Roman-Debüt und handelt von dem verträumten Gießkannenverkäufer Frederick, der sich auf die Spurensuche nach Katharina macht. 15 Jahre lange haben sich beide nicht gesehen.

  

(Foto: Frank Engel-Strebel)

  

Vor 15 Jahren schneite Katharina in das Leben des zurückhaltenden, etwas unbedarften Frederick. Katharina, politisch aktiv, extrovertiert, ging für die „Grünen Pinguine" auf die Barrikaden. Frederick, seit einigen Jahren Verkäufer für Gießkannen, ist ein leidenschaftlicher Schriftsteller. Sie verbringen ein paar Tage zusammen, unbekümmert, sie sind jung, irgendwann trennen sich ihre Wege. Zufällig entdeckt Frederick Katharina auf einem alten Foto, die Erinnerungen an damals werden wach, er macht sich auf die Spurensuche und will sie wiederfinden und erfahren, was aus ihr geworden ist.

  

René Klammer hat eine ähnliche Situation selber einmal erlebt. Seine Bekannte, die sich in der Rolle der Katharina durchaus wiedererkennen würde, wie er einräumt, kannte er knapp zwei Jahre, dann musste der heute 35-Jährige zur Bundeswehr, man verlor sich aus den Augen. „Ich war überrascht, wie viele Dialogsätze aus dieser Zeit mir noch eingefallen waren, allerdings verwischt sich die Fiktion im Lauf der Zeit mit der Wahrheit", erklärt der Autor, der bereits zu Schulzeiten mit dem Manuskript begann, und jahrelang daran feilte bis nun der Roman „Wir kannten uns" in einem kleinen Kölner Verlag erschienen ist. Immer wieder wurden Szenen und Dialoge verworfen, auf Lesungen ausprobiert, es kamen neue Kapitel hinzu, bis die Sache „rund war".

  

Klammer liebt es, sich Geschichten und Erzählungen auszudenken, er veröffentlichte Satiren, Kurzgeschichten, aber auch Hörspiele. Für eins seiner Hörspiele konnte er sogar Markus Maria Profitlich als Sprecher verpflichten. „Hast du Angst?" heißt das Stück, in dem es um die Angst vor dem Scheitern geht. Eine Angst, die auch Klammer durchaus kennt: „Mir sind Leute unheimlich, die dies nicht kennen, Scheitern ist auch nichts Schlimmes, wenn man das Scheitern akzeptiert, kann dies ein wichtiger Motor für Neues sein und es gibt einem wichtige Lektionen mit. Man wäre vieles nicht geworden, wenn man das Scheitern nicht erlebt hätte".

  

Mit „Altenbrak – Eine Reise ins Bodetal" veröffentlichte er 2012 sein erstes Buch, eine Erzählung. Trotz diverse Auszeichnungen für seine Kurzgeschichten, unter anderem vom „Spiegel" oder vom „Rheinischen Sparkassenverband" geht der Roisdorfer einem gewöhnlichen Brotjob nach. Der feste Job beruhigt ihn: „So kann ich in meinem Tempo schreiben ohne die Notwendigkeit in einer bestimmten Zeit einen bestimmten Erlös zu erzielen".

  

Seine Hörspiele nimmt er zusammen mit einigen Bekannten in seinem kleinen hauseigenen Tonstudio auf, das er vor zehn Jahren eingerichtet hat. Eine willkommene Alternative zur Schreibtischarbeit: „Man tauscht sich mit anderen aus und kommt auf Dialoge, die man sonst nicht ausgebrütet hätte". Eine Ausbildung oder ein Studium hat der gebürtige Kölner übrigens nicht gemacht. Für ihn zählte immer nur die Schriftstellerei und er entschied sich daher bewusst gegen eine Ausbildung. Und was wird künftig kommen? „Ich plane schon seit längerem einen Krimi zu schreiben, eine Idee gibt es schon", so der Roisdorfer. Kurz vor Vollendung steht ein Kurzfilmprojekt, das er mit einigen Freunden an den Brühler Seen und entlang des Vorgebirgshangs gedreht hat. Das Drehbuch hat Klammer geschrieben, da für ihn beim Schreiben alle Fäden zusammenlaufen. Seit zwei Jahren arbeiten er und seine Freunde bereits an dem 15-minütigen Streifen um drei Freunde, die eine Freundin besuchen, bei der etwas Schlimmes vorgefallen ist. Niemand traut sich jedoch, darüber zu sprechen. Das junge Filmteam wird den Film bei diversen Kurzfilmfestivals einreichen.

  


  

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