Wo ist Katharina?

("Brühler Schlossbote" vom 09.04.2014)

  

Wie eine einzige Begegnung unser ganzes Leben verändern kann: Davon erzählt „Wir kannten uns“, der neue Roman des Kölner Autors René Klammer. Eine ebenso kurzweilige wie anregende Spurensuche!

  

  (Foto: Ellen Eckhardt)

  

Man hört immer, wie leicht es heutzutage sei, alte Freunde wiederzufinden – dem Internet sei Dank! Aber sind nicht manchmal diejenigen Menschen am interessantesten, die man eben nicht bei Google oder Facebook findet? Zum Beispiel Katharina. Vor mehr als 15 Jahren hat Frederick, der Held von „Wir kannten uns“, sie aus den Augen verloren. Damals ging sie gegen Atomkraft auf die Barrikaden, engagierte sich bei den „Grünen Pinguinen“ und nutzte ihren Job bei einer Lokalzeitung, um auf ihre ganz eigene Weise die Welt zu verändern – während Frederick einfach nur versuchte, seinen Platz im Leben zu finden. Den hat er inzwischen: Er ist frisch verlobt, arbeitet in einer Gießkannen-Fabrik, und in seiner Freizeit schreibt er Wanderführer. Doch kann das wirklich alles sein? Schlagartig gerät sein ganzes Leben aus den Fugen, als ihm ein Foto in die Hände fällt, auf dem er Katharina zu erkennen glaubt.

  

„Wir kannten uns“ greift ein Thema auf, das keinen kalt lässt: „Nur ein paar Mal im Leben läuft uns jemand über den Weg, der uns so tief beeindruckt, dass wir nachher nicht mehr dieselben sind“, weiß der Autor. „Mir geht es um diese ganz alltägliche Katastrophe, wenn man so jemanden dann wieder aus den Augen verliert.“ Trotz des ernsten Themas ist Klammers Buch unterhaltsam und herrlich komisch – Satire ist seine Spezialität: Seine humoristischen Kurzgeschichten gewannen bereits zahlreiche Preise, unter anderem vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Radio T“ in Chemnitz wählte sein Kurzhörspiel „Liebessalat mit Gurkeneinlage“ zum „besten Kurzhörspiel des Jahres“.

  

Warum „Wir kannten uns“ bei vielen Menschen so gut ankommt, erklärt Kommunikationswissenschaftler Klaus Hansen folgendermaßen: „Es ist die Stimmung, in die mich dieses Buch versetzt, die ich mir erhalten möchte – jenes Gefühl der Vergeblichkeit mit eingebildetem Streif am Horizont.“ Darum habe er die Lektüre auf den letzten 80 Seiten immer wieder künstlich hinausgezögert, um länger was davon zu haben. „Der Roman zeigt eine Vergangenheit, die mehr versprochen hat als die Gegenwart bietet – und die darum, weil uneingelöst, auch ein Versprechen für die Zukunft ist.“

  

Die Sehnsucht nach einem Wiedersehen, die Frederick antreibt, wird auch beim Leser wach. „Man fühlt und fiebert mit“, findet Verleger Roland Reischl, „und fragt sich unweigerlich, was wohl aus dieser jungen Frau geworden ist.“ Ob Katharina auch heute noch – wie vor 15 Jahren mit Frederick – einfach so in einen Zug steigen würde, ohne zu wissen, wo dieser am nächsten Morgen ankommt? Ist im Erwachsenenleben wirklich kein Platz mehr für diese Leichtigkeit und Unbeschwertheit? Die Geschichte von Frederick und Katharina ist eine Pflichtlektüre für alle, die das Träumen noch nicht verlernt haben!

  


  

weitere Infos zu "Wir kannten uns"

zurück zur Startseite